Handel ist Wandel

September 2021

Vor 25 Jahren, genauer am 01.10.1996, eröffnete das Oecotop in einer ruhigen Seitenstraße in der Bremer Neustadt mit viel Idealismus seine ersten Türen. Zu dieser Zeit war die Biobewegung trotz langjährigen Anstrengungen noch in der Anfangsphase ihrer Marktentwicklung. Die „Biokost“ suchte neue Kundschaft und Bioläden, Hofläden und Wochenmärkte benötigten Verstärkung durch den Aufbau neuer effektiver Vermarkungsformen. Zwar existierten Food-Coops zusätzlich, doch waren diese eher für Insider angelegt, da sie meist nicht in der Öffentlichkeit sichtbar waren. Das Modell der Mitgliedschaft war geeignet die Idee eines „alternativen Wirtschaftens“ umzusetzen und eine weitere Vermarktungsform zu etablieren. Das Oecotop erweiterte so als erster Mitgliederladen in Bremen die Angebotspalette dieser unterschiedlichen Handelsformen.

Öffnung für Alle – das Oecotop wächst

In der Bremer Bio-Szene Fuß zu fassen benötigte etwas Zeit, allerdings konnten wir bereits nach drei Jahren eine erste Filiale in der Elsasser Straße eröffnen. Mit steigender Mitgliederzahl wurden nach einigen Jahren sowohl in der Neustadt als auch in Schwachhausen räumliche Veränderungen erforderlich.

Angekommen: Friedrich-Karl-Straße

Ein Umzug von der Elsasser Straße im Jahr 2006 in eine ehemalige Wäscherei in der Friedrich-Karl-Straße führte, nach einem intensiven Umbau des Gebäudes, erst einmal zur gewünschten räumlichen Verbesserung.

Es änderten sich zeitgleich allerdings auch gesetzliche Rahmenbedingungen, die für die Mitgliederläden bundesweit eine sehr große Bedeutung hatten: Das sogenannte Rabattgesetz wurde reformiert. Der Verkauf der ökologisch erzeugten Produkte, der bis dato ausschließlich an feste Mitglieder stattfinden durfte, konnte nun durch ein Zweipreissystem erweitert werden. Von nun an konnten im Oecotop alle interessierten Naturkost-Kund*innen einkaufen – auch ohne Mitgliedskarte. Das Modell der Mitgliedschaft erklärte sich nun für viele Neukundinnen schnell durch den Blick auf die zwei unterschiedlichen deklarierten Preise am Verkaufsregal.

„Bio“ ist längst keine Nische mehr, aber…

Die Dynamik der Bio-Branche hat allerdings in den letzten Jahren weiterhin enorme Beschleunigung aufgenommen: Große Bio-Supermarktketten schießen wie Pilze aus dem Boden und der konventionelle Einzelhandel hat längst die neue Bio-Kundschaft für sich entdeckt und eigene Biomarken integriert, zeigt aber gleichzeitig gezielt starkes Interesse an den bekannten Markenprodukten aus dem Bio-Fachhandel. Die Biobewegung ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen, doch viele Vorstellungen aus den Gründerzeiten der Bewegung scheinen plötzlich untergegangen zu sein.

Die Biopionier*innen beobachten diese Entwicklung eher besorgt, ihnen ging es stets um mehr, als nur um den reinen Abverkauf.

Im Gegensatz zu einem räumlichen und ökonomischen Wachstum sollte ebenfalls ein „inneres“ Wachstum in der Bio-Branche stattfinden. Zentrale Themen wie Klimaschutz, umweltgerechte Verpackungen, konzernfreie Strukturen und faire Preise und Löhne für alle Beteiligten in der Wertschöpfungskette, sind u.a. die großen Aufgaben für die Zukunft.

Wir als Oecotop Schwachhausen unterstützen unter anderem den Saat:gut e.v, die Fair-Bio-Genossenschaft, das Sivisio-Projekt bei ökologisch angebauten Importwaren sowie viele regionale Biobetriebe. Das Ziel der Biobewegung weiterhin stets im Blick: „Alternatives Wirtschaften“ für die Zukunft von Mensch und Umwelt.

DANKE für 25-jähriges Vertrauen, wir freuen uns auf uns auf weitere, erfolgreiche gemeinsame Jahre.

Dieter & das gesamte Oecotop Schwachhausen-Team