Interview mit Stefan Schumacher (Teil 1)

Den Termin zu finden war gar nicht so einfach, es gab viel Arbeit im Mai. Stefan Schumacher hat kurz vor Pfingsten etwas Zeit gefunden und erzählt uns vom Alltag auf dem Bauernhof, der Umstellung auf ökologischen Anbau, von den Irrtümer des sogenannten Bio-Booms und warum der Mittwoch ein besonderer Tag ist.

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Im Gespräch: Lieferant und Demeter-Landwirt Stefan Schumacher mit Oecotop-Grüner Dieter Vogt-Miska

Oecotop: Stefan, wie war Dein Tag heute?

Stefan: Heute ist Mittwoch. Mittwoch ist immer meine Haupt-Liefertour nach Bremen. Da fahre ich wie auch sonst ins Oecotop und bringe frisches Gemüse. Mittwoch liefern wir aber immer auch noch frisches Fleisch und Wurst aus.

Oecotop: Warum ausgerechnet am Mittwoch?

Stefan: Von jeher ist der Dienstag der Schlachttag. Das heißt am Dienstag wird zerlegt, dann verpackt, vakuumiert, und dann wird das auch gleich am darauffolgenden Tag ausgeliefert.

Und so hat sich das ergeben, dass ich dann auch Gemüse mit angeboten habe. Wir haben ja eigentlich mit dem Fleisch- und Wurstpaketen angefangen. Und weil ich da immer schon etwas Gemüse hatte – ein bisschen Tomaten, Gurken, ein bisschen Salat – habe ich die Lieferungen damit ergänzt.

Und weil ich immer am Wochenende auf dem Wochenmarkt stehe, habe ich dann den Mittwoch immer gleich genutzt, um noch beim Bio-Regionalfachhändler mein Angebot zu ergänzen – das heißt mit Biobananen oder Pfirsichen, Nektarinen. Das, was ich nicht selber erzeugen kann, um meinen Gemüsestand auf dem Markt auch möglichst attraktiv und vielfältig zu halten.

Oecotop: An diesem Tag ist also richtig viel los!

Stefan: Wenn ich wieder nach Hause komme, dann habe ich immer ein bisschen Eile, weil dann auch schon neue Gemüsebestellungen ankommen, auch aus Bremen und von euch im Oecotop.

Oecotop: Bleibt da überhaupt noch Zeit um den Hof zu bewirten?

Stefan: Meine Mitarbeiter haben heute Salat geerntet, Kohlrabi, Radieschen. Dann ist in den Folientunneln bei den Gurken und Tomaten viel Arbeit. An Tagen wie heute kann es sein, dass ich einen Zettel schreibe, den ich meinen Mitarbeitern hinlege, weil ich gleich morgens unterwegs bin. Dann fangen die schon mal an. Aber es gibt immer Kleinigkeiten, die man spontan absprechen muss.

Oecotop: Wann geht Dein Tag los, und wann hört er auf?

Stefan: Heute morgen bin ich um fünf aufgestanden, und abends ist es dann meistens um sechs, oder halb sieben, wenn ich fertig bin. Das ist der „frühe Tag“. Wenn ich Glück habe, kann ich an anderen Tagen eine Stunde länger schlafen.

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Die Haltung von Schweinen hat Tradition auf dem Hof Schumacher.

Oecotop: Gemüseanbau und Schweinemast bestimmen den Hofalltag. Die Schweinemast macht dein Vater?

Stefan: Ja, wir sind ja ganz vielseitig. Wir haben nicht nur Gemüse oder nur Landwirtschaft, sondern sowohl als auch. Auf unseren Ackerflächen wird das Futter für die Schweine erzeugt. Damals, als wir umgestellt haben (auf ökologischen Landbau, Anm. d. Red.), war die Frage, ob man überhaupt ökologische Schweinemast weiterbetreiben sollte. Wir haben damals noch weitaus mehr Tiere gemästet. Aber mir lag diese Art und Weise der Tierhaltung nicht und ich wollte das auch nicht in dieser Größe betreiben.

»Mein Vater ist kein Gemüse-gärtner, sondern Landwirt… er war aber mutig genug, das dann ökologisch zu betreiben.«

Oecotop: Also ihr habt den kompletten Hof ökologischen umgestellt.

Stefan: Ja, wir haben dann überlegt, wie wir weitermachen. Ich hatte ich ja meine Kunden in Bremen. Auch das Oecotop hat damals schon gesagt, an Mettwurst, Salami und anderem gibt es Interesse. Dann haben wir uns gedacht, gut, dann behalten wir die Schweinehaltung bei und stellen die auch um.

Oecotop: Und beim Gemüse?

Stefan: Mit dem saisonalen Gemüseanbau verhält es sich so, dass man eigentlich meistens zu viel hat. Wenn die Witterung im Frühjahr besser wird, dann wachsen die verschiedenen Salatsätze oder Radieschensätze zusammen. Das heißt ich säe jetzt vielleicht alle zwei Wochen einen Satz Radieschen aus, aber es kann sein, dass durch die wechselnden Temperaturen die verschiedenen Sätze dann auf einmal alle zur gleichen Zeit fertig sind.

Oecotop: Wie hast Du das gelöst?

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Sieht viel aus, aber reicht es für alle Abnehmer? Die richtige Menge im Anbau zu planen erfordert Erfahrung und Fingerspitzengefühl.

Stefan: Auf dem Wochenmarkt kann ich so viel nicht verkaufen, und weil ich ungern Sachen wegschmeiße oder unterfräse, habe ich irgendwann geguckt, wo ich denn das, was zu viel auf dem Acker ist, an den Mann bringen kann. Und so hat sich das eben mit den Läden, und auch mit Dieters Laden (gemeint ist das Oecotop, Anm. d. Red.) in Bremen ergeben. Ich brauchte irgendwie noch eine Quelle außer dem Wochenmarkt, um Gemüse zu verkaufen. Und so habe ich den Anbau dann darauf abgestimmt, dass ich das, was wir produzieren, auch möglichst verkaufe und möglichst wenig auf dem Acker lasse.

Mein Vater ist kein Gemüsegärtner, sondern Landwirt, und hat auch ein Faible für Schweinemast und Tiere. Er war aber mutig genug und hatte auch Lust, das dann ökologisch zu betreiben. Und so haben wir halt den ganzen Betrieb umgestellt, und das funktioniert auch.

Oecotop: Umgestellt habt ihr auch eure Anbauverbandsmarke. Ihr habt angefangen als Naturland-Landwirte und seid jetzt im DEMETER-Verband.

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Der Hof Schumacherist vollwertiges DEMETER Mitglied

Stefan: Genau, ich war von jeher immer dem DEMETER-Verband zugeneigt. Aber als wir hier mit zwei Familien den Betrieb umgestellt haben und mein Vater als sehr bodenständiger Landwirt mit der ökologischen Wirtschaftsweise konfrontiert wurde, war es vielleicht etwas zu viel und ein etwas zu großer Sprung, um gleich mit der DEMETER-Landwirtschaft anzufangen. Insofern haben wir erst mal mit dem Naturland-Verband angefangen. Ich habe während meiner Studienzeit auf DEMETER-Betrieben gearbeitet und auch mein Praktikum in der DEMETER-Beratung gemacht, aber fand es im Zuge der Umstellung wichtig, erst mal die praktische Umstellung voran zu treiben.

Nachdem wir über zehn Jahre ökologisch im Naturland-Verband gewirtschaftet haben, habe ich gedacht, jetzt ist es an der Zeit, dass wir uns den Aufgaben und Richtlinien des DEMETER-Verbandes stellen. Wir haben eine Kompostwirtschaft, mit der Präparatearbeit war ich schon vertraut und die Vielseitigkeit unseres Betriebes spiegelt seit jeher die DEMETER-Philosophie wider. So war es eigentlich nur eine Frage der Zeit, wann wir das machen. Im Herbst 2013 habe ich angefangen mich beim DEMETER-Verband vorzustellen, und seit März 2014 sind wir ein vollwertiges Mitglied im DEMETER-Verband.

Zum zweiten Teil des Interviews mit Stefan Schumacher:
» Wir werden nie in der Lage sein, Lebensmittel in der Masse zu erzeugen, damit sie in allen Supermärkten feilgeboten werden können. «